Niederlage in Frankfurt

Frankfurt, 23.03.2019 Brandenburgliga – weibliche Jugend B – HSV Frankfurt (Oder) – HSV Oberhavel – 19:13 (8:7)

Blühende Landschaften…?

Diese berühmt gewordene Metapher,  aus dem Jahre 1990, vom Altkanzler Dr. Helmut Kohl, bezog sich auf die Entwicklung der neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung. Blühende Landschaften fand die „Reisegruppe Oberhavel“ in Frankfurt an der Oder – zumindest in der näheren Umgebung der Heimspielstätte des HSV Frankfurt, nämlich der Sporthalle der 9. Grundschule, nicht gerade vor. Triste Plattenbauten, die auf ihren Abriss warten, holpernde Betonflächenwege, die meistens als Sackgasse endeten…es war nicht leicht, die richtige Zufahrtsstraße zum Parkplatz zu finden. Rettung für einige der Anreisenden war ein bekannter roter Kleinbus mit OHV Kennzeichen, der zur Halle fuhr. Die männliche B Jugend 2 des Oranienburger HC spielte glücklicherweise vor unseren Mädels in dieser Halle. Diese nOSTalgisch anmutende Standardbauhalle aus alten Zeiten erweckte sogleich viele Erinnerungen bei einigen Eltern. Gebäudeisolierung? Fehlanzeige! In der Halle herrschten tropische Temperaturen, trotz Durchzugsbemühungen der Hausherren. Es war also allen Anwesenden vor dem Spiel schon klar – es wird heute eine schweißtreibende Angelegenheit. Nur eines glich einem wahren Wunder. Die überall in solchen Hallen bestehenden Abflussgerüche auf den Toiletten, waren in diesem Objekt nicht vorhanden. Wie konnte das geschehen? Wie konnten diese mit solchen Hallen unweigerlich in Verbindung gebrachten Gerüche beseitigt werden? Es blieb ein Rätsel. Wahrscheinlich gibt es in der Oderstadt die besten Abwasseringenieure der Republik! Chapó schon mal dafür!

Spielgeschehen…

Das Hinspiel konnten unsere Mädels gegen die spielstarken Frankfurterinnen knapp mit 20:19 gewinnen. Die Tabellenkonstellation – Vierter gegen Zweiter versprach ein spannendes Spitzenspiel. Auf Grund von Klassenfahrten, privaten anderen Verpflichtungen und krankheitsbedingten Absagen, reisten die Oberhavelländerinnen mit nur neun Feldspielerinnen und einer Torhüterin an, wobei es eigentlich nur acht Feldspielerinnen waren. Alisha versuchte es zwar, nach sieben Minuten war allerdings auch für sie krankheitsbedingt „Feierabend“. Bis zum 2:2 in der vierten Spielminute blieb es ein enger Schlagabtausch. Dann legten die Frankfurterinnen – angeführt von ihrer torgefährlichen Nummer 12 – los und erarbeiteten sich einen Vorsprung zum 5:2. Unsere Mädels verzweifelten im Angriff an der kompakt stehenden Deckung. Kamen sie dann mal, meist über die Aussenpositionen, zum Torwurf, stand eine gut haltende Torhüterin im Frankfurter Kasten. Einzig Gina Re. war es, die in den ersten 12 Minuten unsere Mädels halbwegs im Rennen hielt. Mit ihrem dritten Tor zum 5:3 verkürzte sie zwar den Abstand, Frankfurt ließ allerdings nicht locker und erhöhte wiederum auf 7:3. Wieder war es dann Gina Re. und zweimal Sonja, die auf 7:6 verkürzen konnte. In dieser Phase des Spiels wurde von beiden Mannschaften auf Augenhöhe agiert.

IRA ist back…

Nein, hiermit meinen wir nicht die Irisch-Republikanische Armee, die nach Deutschland gezogen ist, sondern Isabella R. A., die nach langer Verletzungspause zurück ist. Im letzten Heimspiel noch geschont, kam die quirlige junge Linkshänderin in der 22. Spielminute aufs Feld. Eine Minute später zappelte der Ball im gegnerischen Gehäuse. Ein schöner Rückraumwurf von Isi bescherte dem HSV Oberhavel den Anschlusstreffer zum 7:8, was gleichzeitig auch den Pausenstand darstellte. Das Oberhavel – Fanlager jubelte laut auf und freute sich gemeinsam mit Isabella nach dieser langen Leidenszeit.

Mentalität, Manpower und die Männer in schwarz…

Die zweite Halbzeit begann mit einem schnellen Ausgleich durch Jasmin per Tempogegenstoß. Frankfurt knüpfte da an, wo sie in der ersten Halbzeit aufgehört hatten – über Rückraumtore oder die allseits bekannten „Bauerntricks“. So setzten sie sich schnell wieder auf 11:9 ab. Die Härte im Spiel nahm zu dem nun auch zu. Die Frankfurter Deckung agierte zwar kompakt, allerdings auch sehr hart und zuweilen auch recht unsauber. Da dies nicht bestraft wurde, ging das bis zum Spielende auch munter so weiter. Davon sichtlich beeindruckt, merkte man unseren Mädels schnell den schwindenden Siegesglauben an. Durch einen unglücklichen Zusammenstoß fiel zudem auch Sonja noch verletzungsbedingt aus. Die Hausdamen erhöhten sukzessive ihre Führung über die Zwischenstände 12:10, 14:11 und 15:12 in der 44. Spielminute. Mehrere Faktoren erschwerte es unseren Mädels dran zu bleiben. Zum einen, die vorher schon erwähnte weiter reduzierte Spielerauswahl, dann die in der zweiten Halbzeit inflationär eingesetzten 2 Minutenstrafen gegen Oberhavel und zum anderen auch die Bemerkungen der Heimfans an Rande des Spielfeldes. Die HSV Mädels stecken so etwas noch nicht unbeeindruckt weg und haderten mit sich selbst, mit den Schiedsrichtern (teilweise berechtigt) und mit den Zuschauern. Die Messe war spätestens beim Stand von 12:17 – fünf Minuten vor dem Schlusspfiff gesungen. Eine Minute später dann eine Aktion der Frankfurter Deckung, die die Gemüter hoch kochen lassen sollte. Emma auf der Halbposition stehend, kam in aussichtsreiche Wurfposition und fand eine Lücke in der Abwehr. Von der Seite kam im letzten Moment noch eine Frankfurter Deckungsspielerin, um Emma zu stoppen, erwischte sie allerdings mit dem Oberschenkel. Sprichwörtlich ließ man sie demnach „über die Klinge springen“. Der Strafwurf wurde zwar gewährt, allerdings unverständlicherweise ohne Bestrafung der Abwehr.

Durch diese Aktion verletzt und mit einem ausgelösten Asthmaanfall, konnte auch Emma die letzten Spielminuten nicht mehr aktiv mitgestalten. Der Schlussstand von 13:19 war dann auch eher eine Erlösung für das Gästeteam. Jubel brach aus in den Frankfurter Reihen, Tränen flossen auf Seiten unserer Mädels. Wütende Tränen waren es, über die eigene Leistung und über die Leistung der „Männer in schwarz“ oder in diesem Fall (orange).

Ich möchte hier nun eins klar stellen, um nicht als schlechter Verlierer dar zu stehen. Die Frankfurterinnen haben sich diesen Heimsieg verdient – Punkt. Unsere Mädels haben es wieder einmal nicht verstanden, auf fremdes Terrain ihre Normalleistung abzurufen. Im Angriff viel zu statisch und in der Abwehr dieses Mal viel zu zahnlos, war diese Niederlage völlig gerechtfertigt. Die dünne Spielerdecke lässt aber auch nicht mehr zu. Konditionell ist dann einfach nicht mehr drin – dann fehlt auch die Konzentration und der Kopf macht zu. Vielleicht liegt es auch an der längeren Auswärtsfahrt oder auch in diesem Fall, an Bemerkungen und Kommentare von den Heimfans, direkt am Spielfeldrand. Die jungen Mädels schaffen es hier noch nicht (verständlicherweise), einen kühlen Kopf zu bewahren. Wie auch, in der Vergangenheit hatten sie weder die notwendigen Spielanteile, um es zu lernen, noch mussten sie in dem Maße die Verantwortung tragen.

Ein großer Faktor an diesem Tag allerdings waren die Schiedsrichter. Einen kühlen Kopf zu behalten, werden die Mädels hier sicher nie lernen. Wir hatten in dieser Saison schon mehrere Unparteiische, die richtig gut waren. Auch hatten wir Schiedsrichter, die einen schlechten Tag hatten – sowas kommt vor – sowas ist menschlich und mit so etwas kann man auch leben. Bei diesem Spiel waren die Schiedsrichter nur auf einer Seite nicht gut – hatten also einen halben guten Job gemacht… Ich möchte hier auch nicht dünnes Eis betreten. Deshalb schlage ich vor: alle die, die sich selbst ein Bild der beiden Herren machen wollen, können gern ein Video des gesamten Spiels bekommen. Ich möchte auch keine weiteren Beispiele hier aufzählen. Nur so viel… Wer unseren Trainer Reiner kennt, dieser – vom Dalai Lama geküsste, meditative Handballmönch, der immer der Erste wäre (wenn man ihn denn ließe), wenn eine Spielerin verletzt am Boden liegt – egal ob vom eigenen Team oder von der Gastmannschaft. Dieser, in sich ruhende Handballtrainer, hatte während und nach dem Spiel einen Puls von 180. Und auch am Sonntag beim Videostudium musste er nach sieben Spielminuten abbrechen – zu sehr wühlte ihn diese Ungerechtigkeit wieder auf. Gut, dass er sich mit dem Zaunbau am Grundstück wieder abreagieren konnte.

Das glücklicherweise spielfrei kommende Wochenende sollte für alle Spielerinnen (und Trainer) zur Regeneration genutzt werden. Die sechs Trainingseinheiten bis zum 6.4. wiederum, zum konzentrierten Training und zur Vorbereitung auf das letzte Heimspiel in dieser Saison gegen den HV Calau genutzt werden. Das Spiel findet in Borgsdorf um 13:00 Uhr statt – hoffentlich vor zahlreichem Publikum und hoffentlich mit tollen Schiedsrichtern (die das Land Brandenburg doch eigentlich zu genüge hat!!!)

PS: Der HSV Oberhavel gratuliert dem Oranienburger HC zur Meisterschaft der Brandenburgliga. Liebe Pumamädels, ihr habt in dieser Saison den besten Job gemacht und seit verdient Meister geworden.

Für den HSV Oberhavel spielten: Pauline (Tor) – Gina Ro. (1), Alisha, Gina Re. (4), Sonja (2), Emma, Lena, Isabella (3), Hellen, Jasmin (3)

Spiel aus Sicht des Gegners