Die Sache mit dem Kaninchen und der Schlage…

23.02.2019 – HSV Oberhavel gegen Oranienburger HC 23:26 (10:15)

Angerichtet war es am Samstag in der Borgsdorfer Sporthalle zum Spitzenspiel der brandenburgischen B Jugendliga zwischen den Tabellenzweiten vom HSV Oberhavel und den Tabellenführer aus Oranienburg. Der Begriff „Spitzenspiel“ hinkt hier allerdings ein wenig. Klar – die Tabellenkonstellation lässt dies vermuten und die Tatsache (warum auch immer), dass das Spiel als einziges an diesen Samstag in der Brandenburgliga angesetzt wurde – alle anderen Spiele fanden einen Tag später statt – rückt es auch in die Kategorie „von besonderem Interesse“. Allerdings ist die Realität etwas anders. Der Gegner aus der Kreisstadt ist seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr bezwungen worden und zieht seine erfolgreiche Saison verletzungs- und weitestgehend krankheitsfrei stoisch durch. So hatte man schon vor dem Spiel beim Warmmachen der Protagonisten das Gefühl, man befände sich beim einen Turnier mit drei teilnehmenden Mannschaften. Auf der einen Seite unsere Mädels und auf der anderen Seite der OHC.. und noch ein OHC…so viele Spielerinnen mit dem Puma auf dem Trikot wuselten herum, dass der Innenraum fast schon wegen Überfüllung geschlossen werden musste.

Die Tribüne der Borgsdorfer Sporthalle war ebenfalls voll – kein einziger Sitz- und Stehplatz war mehr frei. Das Spiel zeigte also breites Interesse – so wunderte man sich nicht, dass auch Ligakonkurrentinnen aus Neuruppin und Altlandsberg zugegen waren. Um auf den Spielbericht des Gegners zu reagieren: Wir wollen zumindest in dieser Kategorie die Nase vorn haben. Vor gezählten 181 Zuschauern 😉 wurde dieses Spiel dann von den beiden Schiedsrichtern aus Hennigsdorf angepfiffen…

Und es begann alles andere als perfekt für unsere Mädels. Wie das Kaninchen vor der Schlage stehend, war das HSV Team wie gelähmt in der sonst so stabilen Deckung. Es taten sich nicht nur Lücken auf – nein, ganze Abwehrbereiche wurden durch eigentlich leicht durchschaubare Kreuzbewegungen der Oranienburger frei gegeben. Die dadurch erzielten einfachen Torerfolge beflügelten die Oranienburgerinnen umso mehr. Die Starre und die fehlende Abstimmung in der HSV Abwehr wurde in den ersten Minuten auch nach vorn getragen. Im Angriff ging also auch nicht viel – eher fast gar nichts. So stand es schnell nach neun Spielminuten 1:8 für die Gäste. Die heimischen Zuschauer schauten sich  beängstigend um und sahen schon das drohende Heimdebakel. Die mehr als fällige Auszeit wurde genommen, um unsere Krokodile aufzuwecken. Nach Wiederanpfiff lief es dann auch besser. Die Abwehr stand sicherer, vor allem arbeiteten die Mädels nun gemeinsam gegen die anrollende OHC-Maschine. Im Angriff fand man langsam über spielerische Mittel in die Partie und erzielte nun auch Tore. Dennoch blieb der OHC im Stile einer Spitzenmannschaft, zumindest in der ersten Halbzeit, wach und netzte weiter ein. Der Sieben-Tore-Abstand aus den ersten neun Spielminuten schmolz nur langsam. Bis zur Pause der völlig verkorksten ersten Halbzeit konnten unsere Mädels sich auf 10:15 heran kämpfen.

Dass sich unsere Mädels für die zweite Halbzeit noch etwas vorgenommen hatten, konnte man vor ihrer Kabine dann deutlich hören. Es lief auch besser und man konnte den Rückstand weiter verkürzen. Zunächst jedoch, spielten die Oranienburger weiter ihren effizienten Angriff herunter. Bis zum Zwischenstand von 13:17 hatte man nicht das Gefühl, dass unsere Mädels überhaupt noch Chancen gehabt hätten, aus dieser Partie zumindest einen Punkt mitzunehmen. Dann allerdings, hatten die Oranienburger einen kleinen Bruch in ihrem Spiel. Nicht etwa, wie noch im Hinspiel, weil die Ersatzspielerinnen sich beweisen durften, nein, die Leistungsträgerinnen der Pumas schalteten auf der Platte einen Gang zurück – gewollt oder ungewollt. Unsere Mädels wurden stärker, kamen nun immer besser in die Partie – ohne jedoch nahtlos an die tollen Leistungen der vergangenen Spiele anknüpfen zu können. Der Abstand wurde auf 16:18 verkürzt – das Spiel schien, für viele Beobachter unerwartet – zu kippen. Mehr noch, in der 42. Minute konnten unsere Mädels den Anschlusstreffer zum 19:20 erzielen. Die Selbstverständlichkeit eines Tabellenführers in solchen engen Spielphasen dann nicht den Kopf zu verlieren, kam dann zum Tragen. Drei folgende Gästetore zum 19:23 bedeuteten die kleine Vorentscheidung. Positiv jedoch ist anzumerken, dass man die „Grande Dame“ des OHCs Theresa W., über weite Strecken des Spiels gut in den Griff bekam. Auf ihr ist das Spiel der Kreisstädter ausgerichtet – sie ist die gefährlichste Schützin der Liga und erzielte in der bisherigen Saison fast 1/3 aller Oranienburger Tore im buchstäblichen Alleingang. „Nur“ sechs Feldtore gelangen ihr an diesem Tag.

Auch wenn unsere Mädels noch auf 22:24 verkürzen konnten, die Messe war gesungen und der Rest Ergebniskosmetik. Mit 23:26 verloren unsere Krokodilladys dieses Derby. Warum? Zum einen, auf Grund der gelähmten Anfangsphase und der dadurch resultierende große Rückstand und zum anderen, die Abgeklärtheit und Selbstverständlichkeit – ja auch Selbstvertrauen eines Tabellenführers über weite Strecken des Spiels.

Man hätte es unseren Mädels gewünscht. Klar, der OHC hat verdient gewonnen, dafür waren dann allerdings nur neun Minuten ausschlaggebend. Neun Minuten, in denen man das eigene Leistungsvermögen nicht abrufen konnte – menschlich nachvollziehbar – dennoch bedauerlich. Traurig ist dann noch der Umstand, dass wie schon im Hinspiel gegen den OHC, Verletzungen dieser arg gebeutelten Truppe eintreten. Alisha, Lena und Emma möchten wir auf diesem Wege gute Besserung wünschen.

Ich möchte nochmal auf den gegnerischen Spielbericht zurück kommen und die Schiedsrichter ein wenig in den Schutz nehmen. Es ist nicht immer leicht, einem Hexenkessel stand zu halten. In meinen Augen haben die beiden Herren aus Hennigsdorf dies sehr wohl geschafft. Des Weiteren hinkt der bloße Vergleich der Strafenverteilung und die Schlussfolgerung aufs Fairplay. Die Art und Weise, wie der OHC die 2-Minutenstrafen erhielt und wie die Strafen auf Seiten des HSVs gegeben wurden, waren schon unterschiedlich. Zweimal berieten sich die Unparteiischen nach rüden Fouls der OHC Deckung, ob nicht mehr als 2 Minuten gegeben werden müssten. Eine aktiv zupackende Deckung ist nachvollziehbar, eine aktiv zupackende Deckung, obwohl der Angriffsspieler schon durch ist, nicht mehr…

Für unsere Mädels heißt es nun „Wunden lecken“ und schnell genesen. Weitere Ausfälle kann sich die Mannschaft nun wirklich nicht mehr leisten. Des Weiteren wird es nun wichtig sein, den Kopf schnellst möglich wieder frei zu bekommen und sich auf das nächste schwere Auswärtsspiel in Neuruppin zu fokussieren.

Eine traurige Information möchte ich hier noch mitteilen. Zum Derbyspiel hat der HSV Oberhavel unter anderem den Staffelleiter dieser Liga, Herrn Fred Ernst eingeladen. Leider ist Herr Ernst schwer erkrankt und liegt im Krankhaus. Lieber Fred, der HSV Oberhavel wünscht dir gute Besserung und vollständige Genesung!

Für den HSV Oberhavel: Maike, Pauline (Tor) – Gina Ro. (3), Gina Re. (5), Lena (1), Jasmin (7), Alicia, Sonja (2), Emma (3), Rieke (2), Alisha und Hellen

Spielbericht vom OHC