Dem Druck stand gehalten

Borgsdorf, 08.09.2018 Brandenburgliga – weibliche Jugend B – HSV Oberhavel gegen HSV Falkensee 04 – 19:16 (8:9)

Die pure Freude war den Mädels des HSV Oberhavel kurz nach dem Schlusspfiff des ersten Saisonspiels gegen den starken Gegner aus Falkensee nicht so recht anzusehen. Zu sehr lastete noch der Druck auf den Schultern der einzelnen Spielerinnen. Nach und nach realisierten sie dann allerdings, dass sie es sich selbst und allen Anderen gezeigt haben, dass in dieser Mannschaft so Einiges steckt und sie den großen Umbruch erfolgreich gemeistert haben. Hier und da sah man dann die ersten Freudentränen und als es zum Siegerkreis ging, fiel auch bei der letzten Spielerin die schwere Last endlich ab und wandelte sich in pure Freude und Stolz über die mannschaftliche Leistung.

50 Minuten vorher pfiffen die gut leitenden Schiedsrichter die erste Pflichtspielbegegnung des HSV Oberhavel gegen die weibliche B Jugend aus Falkensee in der Brandenburgliga an. Die Tribüne der Borgsdorfer Sporthalle war sehr gut gefüllt. Mit Pauken und Tröten unterstützten die Eltern und Zuschauer das Team und auch Falkensee hatte seine Fans mitgebracht.

Der erste Angriff der Krokodildamen blieb leider ohne Erfolg. Im Gegenzug netzte Falkensee zur 1:0 Führung ein. Unsere Mädels glichen aus und legten mit zwei weiteren Toren vor. Statt sich weiter abzusetzen, schlichen sich nun die ersten Fehler in der offensiven Abwehrreihe ein. Ein ums andere Mal war Falkensee durch einfache Doppelpass- Aktionen erfolgreich. Im Angriff legten die Oberhavelländerinnen ihre Nervosität nicht ab. Spielerisch lief nicht viel zusammen. Man hatte das Gefühl, dass der Torerfolg eher durch die „Brechstange“ erzwungen werden sollte. Kopflos und übermotiviert rannte man in die defensiv stehende Abwehr, in dem man erfolglos das Heil im 1 gegen 1 suchte. In dieser Phase wäre ein breiterer Spielaufbau erfolgreicher gewesen. Die frei stehenden Außenspielerinnen wurden oft übersehen. Falkensee konnte sich so wieder heran kämpfen und ging mit 4:3 in Führung. In der Folgephase konnte sich keines der HSV Teams wirklich absetzten und so wechselte die Führung ständig hin und her. Ein Überzahlspiel für den HSV Oberhavel brachte ebenfalls nicht den nötigen breiteren Spielaufbau, im Gegenteil, Falkensee ging in Führung und baute sie zum 8:5 aus. In der folgerichtigen Auszeit stellte das Heimteam die offensive Abwehr um und stand nun defensiver. Im Angriff wollte man nun über die ganze Breite des Spielfelds agieren – mit Erfolg, zwei Treffer durch Außenspielerinnen und ein Rückraumtor, brachte unser Team wieder ins Rennen. Falkensee glückte 13 Sekunden vor der Pause noch die 9:8 Führung. Ein Torversuch durch unsere Krokodildamen landete leider zu spät ins Falkenseer Tor. So ging es mit einer knappen Führung für den Gast in die Halbzeitunterbrechung.

Die Ansprache des Trainerteams schien den Nerv der Mannschaft getroffen zu haben. Nicht zu überhören waren unsere Mädels in Ihrer Kabine, als sie sich für die zweite Halbzeit noch einmal motivierend einstimmten.

Es folgte auch umgehend der beruhigende Ausgleich. Einen größeren Vorsprung konnte sich allerdings kein Team erarbeiten. Bis zum 14:14 war es eine überaus offene Partie, in der beide Mannschaften vorbildlich kämpften und nicht nachgaben. Die Zwei-Tore-Führung zum 16:14 für unsere Mädels in der 40. Minute, bildete den Wendepunkt in dieser Begegnung. Falkensee konnte zwar noch einmal verkürzen, unsere Mädels blieben nun allerdings im Angriff weiter erfolgreich und konnten sich auf 18:15 absetzen. Auch eine Zeitstrafe und somit ein zweiminütiges Unterzahlspiel, vier Minuten vor Ende der Partie, blieb ohne Gegentor. Man konnte sogar mit einer Spielerin weniger auf dem Feld das 19:16 erzielen und so den sprichwörtlichen „Deckel drauf tun“.

Der Schlusspfiff ertönte, das erste Saisonspiel wurde in einem Kraftakt und einer großen mentalen Stärke gewonnen. Ein Spiel gegen einen starken Gegner, der in dieser Saison mit zum Favoritenkreis gezählt werden darf. Sicherlich kann man handballtechnisch von unseren Mädels noch Einiges mehr erwarten, das wissen sie, selbstkritisch wie sie sind, ganz genau. Allerdings ging es in diesem ersten Spiel mehr als nur um handballerische Fähigkeiten. Sie mussten im Kopf mit diesem Druck klar kommen, wussten noch nicht genau, wo sie sich selbst leistungsmäßig einordnen können. Die Last, die auf ihnen einwirkte, wurde abgeschüttelt und in positive Motivation umgewandelt. Dies war mehr als ein Sieg mit zwei Pluspunkten in der Tabelle und dem vorläufigen zweiten Tabellenplatz, es war ein Sieg des unbedingten Willens und der Überwindung der eigenen Unsicherheit. Zusammen und mannschaftlich geschlossen haben sie diese hohe Hürde gemeistert.

Schon am kommenden Wochenende empfangen unsere Krokodildamen die Konkurrenz aus Teltow/Ruhlsdorf. Um 14:00 Uhr – wiederum in Borgsdorf – erfolgt der Anpfiff zum zweiten Saisonspiel, dann hoffentlich mit weniger Druck und mehr spielerischer Leichtigkeit.

Für den HSV Oberhavel spielten: Maike, Pauline (Tor) – Gina Ro. (1), Alisha, Lena, Gina Re. (2), Rike (2), Sonja (1), Emma (2), Hellen, Anna (1), Jasmin (6), Johanna (4)
Bank: Trainerteam: Klausi und Reiner – verletzte Spielerinnen: Yani und Isabella

 

Bericht aus Sicht des Gegners: Link