Ein ganz normales Handballspiel…oder?

Es gibt spannende Handballspiele, bei denen die Spieler und die Zuschauer danach feststellen: „Schön, dass ich dabei war.“ Und es gibt diese ganz besonderen Spiele mit den magischen Momenten, bei denen die Spieler und Zuschauer noch Jahre später genau wissen worum es ging, dieser dramatische Film bei Jedem der dabei war wieder aufgerufen werden kann und wieder dieser glasige Glanz in den Augen entsteht.

Genau so ein Spiel mit diesem magischen Moment gab es am vergangenen Sonntag in Wildau. Es ist gerade 13:10 Uhr – die reguläre Spielzeit ist abgelaufen, der Spielstand 20:19 für das Gästeteam. Sekunden vor Ende der Spielzeit, zeigen die Schiedsrichter eine rote Karte für den HSV Oberhavel und entschieden folgerichtig auf 7 Meter Strafwurf für Wildau. Bella im Tor macht sich bereit, macht sich groß, tänzelt herum um die Wildauerin aus dem Konzept zu bringen. Die Unparteiischen sind allerdings noch am Kampfrichtertisch. Es ist also noch Zeit, Zeit die für Bella läuft, die Wildauerin gibt sich zwar betont lässig, lässt sich ihre Nervosität nicht anmerken, aber keiner weiß, was sie innerlich denkt. Die Feldspieler beider Mannschaften stehen Spalier an der Freiwurflinie. Die Wildauer auf der einen und unsere Mädels auf der anderen Seite. Sie nehmen sich in die Arme, genauso die gesamte Auswechselbank. Die glasigen Augen unserer Mädels sind bis auf die gut gefüllte Tribüne zu erkennen. Die Anspannung ist bei Allen zum Greifen nah. Spieler, Trainer, Eltern, Zuschauer, alle warten auf den entscheidenden Moment. Die Schiedsrichter gehen zu ihren Positionen. Bella macht sich wieder groß, steht 3 Meter vor ihrem Tor, ihr Blick eiskalt auf die Wildauerin gerichtet, die Werferin schreitet zur 7 Meter Linie, der Pfiff – der Wurf – die Parade. Bella hält den Ball und dann brechen alle Dämme. Unsere Mädels und John rennen geschlossen auf das Feld mit einem Ziel – Bella. Im Nu füllt sich das Tor. Die vorher schon glasigen Augen füllen sich mit Freudentränen, aus der kaum auszuhaltenden Anspannung wird pure Freude und Begeisterung. Der HSV Oberhavel hat gerade in einem fünfzigminütigen Kraftakt gegen einen starken Gegner aus Wildau die Oberhand behalten und mit einem 20:19 Auswärtssieg die Hinrunde beendet.

Dass es ein kampfbetontes Spiel werden wird, bei dem sich beide Seiten nichts schenken werden, wurde schon bei der Erwärmung klar. Wildau mit ihrer Hallenmusik und unsere Krokodile mit ihrer tragbaren Krachmaschine waren das erste Duell des Tages. Keiner wollte klein beigeben und so wurde an beiden Anlagen der Lautstärkeregler aufs Maximum gedreht. Die Loveparade – ähnlichen  lautstarken Dezibelklänge forderten schon vor dem Anpfiff die Ohren der vielen mitgereisten Eltern.

Die Seitenwahl gewann Wildau und die nächste kleine Frotzelei folgte, dieses Mal durch den Gastgeber. Unsere Mädels mussten ihre Bank räumen und auf die andere Seite umziehen.
Das Spiel begann aussichtsreich für den HSV Oberhavel. Dem ersten Angriff folgte das erste Tor. Wildau glich allerdings umgehend aus. Bis zum 2:2 verlief das Abtasten beider Mannschaften gleichmäßig. Dann setzte Wildau ihre gefährliche Rückraumspielerin ein ums andere Mal besser in Szene. Durch einfache Wechsel kam sie immer wieder zu Toren aus dem Rückraum. Unsere Mädels zeigten in ihren Angriffen gute Kombinationen und machten Druck auf die gegnerische Abwehr. Der Ball fand allerdings nicht immer den Weg ins Tor. Nach circa sechs Minuten die erste  Unterbrechung im Spiel. Einer Wildauerin waren wohl schon die ersten Minuten zu aufregend gewesen. Sie musste sich auf der Auswechselbank übergeben. Kurzer Wischereinsatz und weiter ging es. Die Dahme-Spreewälder konnten sich in Folge der nächsten Minuten leicht absetzen und einen kleinen 7:4 Tore Vorsprung erarbeiten. Unsere Mädels konzentrierten sich wieder und konnten den Anschluss und den Ausgleich zum 7:7 wieder herstellen. Im Eins gegen Eins setzte man nun bessere Akzente. Der Gegner war dabei meist zu spät und so hatte Wildau bereits nach zwölf Minuten die Dritte gelbe Karten erhalten. Dennoch konnten sie wieder vorlegen, unsere Mädels anschließend allerdings per 7 Meter wieder ausgleichen. Durch ein paar technische Fehler und zu überhastet gespielten Pässen auf Seiten des HSV Oberhavel, ging die Heimmannschaft wieder mit zwei Toren in Führung. Fünf Minuten vor der Pause schaffte Kaja den Anschlusstreffer zum 9:10. Toni M. gelang der Ausgleich, ehe wiederrum Kaja durch ihr zweites schönes Rückraumtor die knappe Halbzeitführung gelang.

In der Halbzeitpause ahnten schon die Eltern, dass es bis zum Ende so knapp bleiben würde. Wer wird wohl die besseren und stärkeren Nerven haben? Einig war man sich, dass die Abwehr unserer Mädels zu offen stand. Man ließ Wildau zu viel kombinieren. Die dadurch entstandenen Lücken nutzten die Wildauer immer wieder aus, um Tore zu erzielen. Die Manndeckung gegen die Wildauer Torshooterin zeigte dennoch erste Erfolge.

Den Start in die zweite Hälfte vergeigte allerdings unser Team. Anstatt einen Zwei-Tore-Vorsprung herauszuarbeiten, gelang Wildau der Ausgleich. Die Führung wechselte nun in den nächsten Spielminuten ständig hin und her. Zunächst konnten unsere Mädels dreimal vorlegen, dabei sogar in Unterzahl einnetzen. Die Abwehr stand nun viel besser als noch in der ersten Halbzeit. Wildau fiel vorn nicht mehr viel ein. Die Unparteiischen legten zudem an diesem Tag das Stürmerfoul sehr „liberal“ aus. Mehr als grenzwertige Aktionen mit der Hand, der Schulter oder gar mit den Knien landeten in unserer Abwehr. Der korrekte Pfiff blieb zumeist aus. Dies gipfelte sogar darin, dass eine Wildauer Spielerin mit vorgestreckter Hand und Knie, Josy fast ausknockte. Benommen blieb sie am Boden liegen. Hier konnten selbst die Schiedsrichter nicht mehr „frei interpretieren“. Es gab Stürmerfoul und sogar eine 2 Minutenstrafe gegen die Wildauer Spielerin. In Doppelter Überzahl und einem Stand von 15:14 für Wildau gelang Yani am Kreis der Ausgleich, Kaja über eine schöne Kombination von Linksaußen der Führungstreffer und wiederum Yani von Außen den Zwischenstand zum 17:15. Eine beruhigende Führung nach ca. 19 Minuten? Leider nein! Wildau kämpfte sich nun wieder heran und konnte zum 17:17 ausgleichen. Per 7 Meterwurf gingen unsere Mädels mit 18:17 in Führung. Danach war für Kaja Schluss. Die dritte 2 Minutenstrafe gegen sie, zwang sie zum Zuschauen von der Tribüne aus. Nach 22 Minuten war das Spiel noch immer nicht entschieden. In der Deckung wurde aufopferungsvoll gekämpft. Alisha eroberte den Ball, spielte schnell zu Yosi, diese wiederrum mit einem blitzschnellen Pass auf Yani – 19:18. Wildau „lebte dennoch“, glaubte weiterhin an den Heimsieg und glich über ein schönes Kreisanspiel aus.

Die letzten 27 Sekunden. John nahm die fällige Auszeit, um seine Schützlinge noch einmal einzustimmen, taktische Anweisungen zu geben und die Richtung vorzugeben. Beide Mannschaften nahmen wieder Aufstellung. Der Ball lief von links nach rechts und wieder zurück. Yosi machte Druck auf ihre Gegenspielerin, spielte weiter auf Lisa. Lisa passte weiter auf halb rechts zu Toni M. und Toni fasste sich ein Herz und ging durch die Abwehr „wie ein Messer durch die Butter“. Führungstreffer, 20:19 für den HSV Oberhavel, alle jubelten und rannten zurück. Aber die Vorfreude war noch 10 Sekunden zu früh ausgebrochen. Wildau ging über einen schnell ausgeführten Anwurf zum letzten und alles entscheidenden Angriff. Unsere Mädels waren in der Deckung noch nicht geordnet. Lücken taten sich auf und so konnte Josy nur durch ein Foul den Angriff stoppen. Ob es in dieser Situation ein rot würdiges Foul war, wissen wir nicht. Die Schiedsrichter haben es so gesehen und man muss es akzeptieren. Josy hatte in diesem Moment keine andere Wahl. Wie schon oben erwähnt, stand unsere Deckung noch nicht richtig. Hätte sie nicht reagiert, wäre die Wildauerin durch die Abwehr zum freien Wurf gekommen. So war nun die Zeit abgelaufen, die rote Karte gegeben und der fällige 7 Meter Strafwurf stand bevor. Im Nachhinein gesehen – alles richtig gemacht. Der 7 Meter wurde gehalten, der HSV Oberhavel gewinnt ein kampfbetontes und spannungsgeladenes Spiel gegen eine sehr starke Wildauer Mannschaft. Die Hinrunde dieser ersten B-Jugend Oberligasaison ist damit beendet. Mit fünf Siegen und zwei Niederlagen, einer Tordifferenz von +31 und einer „weißen Weste“ zu Hause können unsere Mädels, der Trainer, die Eltern und alle Fans der sympathischen Mannschaft stolz sein. Bereits ein vier Punktepolster zum vierten Tabellenplatz und der realistische Anschluss nach oben zu den Mannschaften aus Doberlug-Kirchhain und Frankfurt sprechen für eine spannende Rückrunde. Schaut man sich den Spielberichtsbogen vom heutigen Spiel an, spricht eigentlich alles für eine sportlich rosige Zukunft unserer Mannschaft. Wildau startete mit sieben 2001er und sechs 2002er Spielerinnen. Unsere „Juniortruppe“ mit ihren fünf 2002er, acht 2003er und Bella im Jahre 2004 geboren (Ja, Bella…die abgebrühte Torwärtin mit Nerven aus Stahlseilen), haben in ihrem ersten B-Jugendjahr bisher für Furore gesorgt und können noch lange so weiter machen, sich weiter entwickeln und die Oberliga rocken, ehe die A-Jugend ruft.

Das nächste, „ganz normale Handballspiel“ unserer B-Jugend Krokodile, findet am 06.01.2018 um 15:00 gegen die Bären aus Bernau statt. Gespielt wird in Werneuchen im berüchtigten „Hangar 3“. Ein perfekter Spielort, um die nächsten ganz besonderen Momente zu erleben?

Für den HSV Oberhavel spielten: im Tor Maike, Pauli, Bella – Kaja (4), Toni B., Alisha (1), Yani (6), Gina, Nele (2), Lisa (2), Sonja, Emma (1), Josy (1), Toni M. (3)